Was ist eigentlich Bio? – Alles über Bedeutung, Vorteile und Grenzen

„Bio“. Das verbinden wir mit Umweltfreundlichkeit, Nachhaltigkeit, Jutebeuteln und Birkenstocks. Dabei ist „bio“ heutzutage nicht mehr nur für friedliebende Naturkost-Hippies und Ökotanten reserviert, sondern findet auch beim Rest der Bevölkerung immer mehr Anklang.

Viele Unternehmen haben diesen Trend schon lange erkannt und setzen immer mehr auf grüne „Bio“-Produkte. Aber ist überall „bio“ drin wo „bio“ draufsteht? Bei über 300 Bio-Siegeln siehst du vermutlich den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr. Auf welche Siegel und Kennzeichnungen kannst du dich wirklich verlassen und woran erkennst du Greenwashing?

Wir wollen in diesem Artikel genau diesen Fragen auf den Grund gehen, und dir erzählen, in welchen Lebensbereichen du „bio“ einkaufen kannst, und worauf du achten musst, damit du nicht auf gutes Marketing reinfällst.

„Bio“ – Definition und Vorgaben

Die Bezeichnung „Bio“ findest du auf vielen Produkten im Supermarkt. Sei es die Bio-Gurke, das Bio-Fleisch oder die Bio-Milch, aber auch immer häufiger auf Kosmetika. Dabei steht das Wort „Bio“ als Abkürzung für „biologisch“. „Biologisch“ bedeutet eigentlich, dass das Produkt biologisch hergestellt wurde, also alle Rohstoffe darin natürlich sind. Demnach wurden keine synthetischen Stoffe beigemischt. Auch der Anbau der Rohstoffe ist bio, also ökologisch. Das bedeutet, dass weder synthetische Pharmazeutika noch Hormone oder synthetische Chemikalien eingesetzt werden.

„Bio“ ist bei Lebensmitteln ein durch die EG-Öko-Verordnung EU-weit geschützter Begriff. Gleiches gilt für die Bezeichnungen „aus kontrolliert biologischem Anbau“ und „Öko“. Das heißt, dass Lebensmittelprodukte, die als „Bio“ bezeichnet werden, den Kriterien der EG-Öko-Verordnung entsprechen müssen. Erst dann bekommen die Produkte ein entsprechendes Siegel, das offizielle EU-Bio-Siegel, und die Erzeuger dürfen „Bio“ auf ihre Produkte schreiben.

„Als Bio-Lebensmittel werden Lebensmittel aus der ökologischen Landwirtschaft bezeichnet. Der Begriff ist in der EU gesetzlich definiert. Diese Produkte müssen aus ökologisch kontrolliertem Anbau stammen, dürfen nicht gentechnisch verändert sein und werden ohne Einsatz von chemisch-synthetischen Pflanzenschutzmitteln, Kunstdünger oder Klärschlamm angebaut. Tierische Produkte stammen von Tieren, die artgerecht gemäß EG-Öko-Verordnung gehalten werden und in der Regel nicht mit Antibiotika und Wachstumshormonen behandelt wurden. Die Produkte sind nicht ionisierend bestrahlt und enthalten weniger Lebensmittelzusatzstoffe als konventionelle Lebensmittel, dürfen aber bis zu 5 % nicht ökologisch erzeugte Zutaten enthalten.“ (Quelle: wikipedia.org)

Die Lebensmittelbranche ist allerdings die einzige Branche, in der „Bio“ ein staatlich geschützter Begriff ist. In anderen Branchen wird das Vertrauen in diesen Begriff leider häufig ausgenutzt und für „grünes Marketing“ missbraucht. Vor allem in der Lebensmittelbranche sind die Regelungen bereits seit langer Zeit sehr streng und klar definiert.

In der Kosmetikbranche gibt es weniger strenge Regelungen. Hier kommen die Vorgaben meist von privaten Organisationen, die ihre Siegel mit bestimmten Rahmebedingungen verknüpfen. Das bedeutet, dass nicht jedes Siegel für dieselben Vorgaben steht. Mehr dazu erfährst du weiter unten im Beitrag.

Du hast jetzt gelernt, was „Bio“ bedeutet. Jetzt wollen wir dir erklären in welchen Branchen du Bio-Produkte antreffen kannst und wie du sie erkennst.

Wo gibt es überall Bio-Produkte und wie erkennst du sie?

Am wichtigsten für die Erkennbarkeit von „echten“ Bio-Produkten sind die Bio-Siegel. Davon gibt es allerdings je nach Branche und auch innerhalb der Branchen ganz unterschiedliche, mit unterschiedlichen Richtlinien und Bedeutungen.

Und je nach Siegel gibt es z.B. unterschiedliche Vorgaben an die Bio-Landwirtschaft. Prinzipiell können wir also festhalten, dass dort wo ein Bio-Siegel drauf ist, auch Bio drin ist – aber nicht alle Bio-Siegel dieselben strengen Vorgaben voraussetzen.

Bio-Lebensmittel

Bio Obst in einen Obstkorb

In fast jedem gut sortierten Supermarkt gibt es heutzutage kleinere oder größere „Bio-Ecken“ mit Bio-Gemüse und Bio-Früchten. Auch beim Metzger gibt es Bio-Fleisch. Zudem gibt es Bio-Milch und Bio-Käse. Wie weiter oben bereits erwähnt, gibt es im Lebensmittelbereich strenge Regelungen, ab wann ein Produkt sich „Bio“ nennen darf. Je nach Siegel bedeutet das, dass das Endprodukt diesen Vorgaben entspricht, oder aber der komplette Produktionsprozess.

Bei Bio-Lebensmitteln kannst du dich auf jeden Fall darauf verlassen, dass dort wo „Bio“ draufsteht, auch wirklich „Bio“ drin ist.

Bio-Landwirtschaft

Bio-Landwirtschaft - Bioland Kühe haben wesentlich mehr Platz als Tiere aus Massentierhaltung
Kühe aus ökologischer Landwirtschaft haben wesentlich mehr Platz in den Stallungen, und jede Menge Auslauf im Freien. In solchen Betrieben findest du glückliche Kühe, die du auf der Weide sehen und besuchen kannst.

Können Tiere „bio“ sein?

Theoretisch ja, zumindest die Tierhaltung und das Endprodukt können „bio“ sein. Und zwar, wenn folgende Rahmenbedingungen gegeben sind: Die Tiere erhalten biologisches Futter, keine Hormone oder synthetischen Medikamente. Sie wachsen unter „artgerechten“ Bedingungen auf und ihre „Endprodukte“ wie Milch, Käse oder Fleisch werden nicht mit synthetischen Mitteln behandelt. Diese Vorgaben sind je nach Siegel mehr oder weniger streng geregelt. Teilweise ist Fleisch bereits „bio“, wenn das Tier Bio-Futter bekommen hat. Manchmal bedeutet Bio-Fleisch aber auch, dass die Tierhaltung wesentlich artgerechter ist, als bei konventioneller Tierhaltung. Es gibt hier teilweise sehr starke Unterschiede je Siegel.

Für tierische Lebensmittel gilt ebenfalls die Regelung, dass ein Produkt sich nur dann „Bio“ nennen darf, wenn auch die Richtlinien der EG-Öko-Verordnung erfüllt wurden und mindestens das EU-Bio-Siegel auf dem Produkt ist. Wo „Bio“ draufsteht, ist auch in diesem Fall „Bio“ drin – mit unterschiedlichen Vorteilen für das Tier.

Die wichtigsten Bio-Lebensmittel-Siegel

Das staatliche Bio-Siegel

EU Bio Siegel

Das staatliche Bio-Siegel gibt es seit 2001. Vermutlich hast du es bereits mehr oder weniger bewusst auf deinen Lebensmitteln entdeckt. Verwirrend ist, dass es hier zwei Siegel gibt, die dasselbe Aussagen. Das grüne Siegel mit dem Blatt ist das offizielle von der EU vorgegebene Bio-Siegel. In Deutschland wurde diese Siegel von dem sechseckigen Bio-Zeichen abgelöst. Das Sechseck steht aber für dieselben Kriterien der EG-Öko-Verordnung. Beide Siegel sind also eigentlich dasselbe Siegel. Je nach Hersteller wird aber nur eines davon, oder beide verwendet.

Du kannst dir dennoch sicher sein, dass bei beiden Siegeln die Produkte nach der EG-Öko-Verordnung hergestellt wurden. Die Verordnung definiert wiederum, wie landwirtschaftliche Erzeugnisse und Lebensmittel, die als Öko-Produkte gekennzeichnet sind, hergestellt und gekennzeichnet werden müssen.

Die Siegel sind zwar vertrauenswürdig, definieren aber nur Mindestkriterien. Es gibt z.B. vor, dass 95% der Zutaten eines Bio-Produktes aus ökologischer Landwirtschaft stammen müssen. Das heißt, dass ein Produkt nicht 100% Bio sein muss, wenn es dieses Siegel trägt. Unverarbeitete Produkte mit diesem Siegel, wie z.B. eine Bio-Gurke, ist aber zu 100% Bio.

Die Mindestkriterien sind also nicht schlecht, aber es geht noch besser.

Siegel von Anbauverbänden

Wie bereits erwähnt, definiert das staatliche Bio-Siegel nur die Mindestkriterien für ökologische Landwirtschaft und Bio-Lebensmittel. Es gibt viele Siegel, die noch ökologischer sind, als das sechseckige „Bio“.

Siegel der Bio-Verbände

In Deutschland gibt es etliche ökologische Anbauverbände. Diese Bio-Verbände haben eigene Siegel entwickelt, deren Richtlinien deutlich über die Richtlinien des EU-Bio-Siegels hinaus gehen.

Hier ein paar Beispiele für die strengeren Kriterien:

  • Bio-Verbände verlangen, dass ein Betrieb komplett ökologisch arbeitet. Demnach muss jeder Betriebszweig ökologisch sein. Beispiel Fleisch: Es reicht nicht, dass das Tier mit Biofutter gefüttert wird, und keine Hormone bekommt. Es muss auch artgerecht gehalten werden.
  • Bio-Verbände erlauben weniger Tiere je Hektar als in den Vorgaben für das EU-Bio-Siegel vorgegeben. Die Tiere haben also mehr Platz.
  • Anbauverbänden haben strengere Regelungen für das Zufüttern mit konventionellen Futtermitteln. Die EG-Öko-Verordnung erlaubt größere Anteile.
  • Auch beim Transport zu Schlachthöfen gibt es Regelungen: Der Schlachthof darf vom Erzeugerhof nur 200 km oder maximal 4 Stunden entfernt sein. (Beim staatlichen Siegel sind es 6 Stunden).
  • Die Zahl der erlaubten Legehennen ist um 40% niedriger als in der EU-Öko-Vorschrift.
  • Die Gesamtmenge des Düngers ist ebenfalls beschränkt.
  • Der Mist der Tiere düngt die Felder, und einen Teil der Felder muss zum Anbau des Futtermittels für die Tiere verwendet werden. Ein Landwirt kann also nur so viel Vieh halten, wie er mit selbst angebautem Futtermittel versorgen kann.

Beispiele für Siegel von Bio-Verbänden sind Naturland, Bioland oder demeter. Diese Verbände haben sich selbst verpflichtet, die Richtlinien der EG-Öko-Verordnung zu erfüllen, und sich zusätzlich noch strengere Auflagen als die EU-Vorgabe auferlegt. Vor allem im Bereich der Tierhaltung sind diese Verbände um einiges strenger was Platz-, Ruhe- und Futtervorgaben betrifft. Solltest du also tierische Lebensmittel essen, dann sind die Siegel dieser Verbände noch empfehlenswerter, als das EU-Bio-Siegel.

Auch bei pflanzlichen Lebensmitteln sind die Siegel von demeter, Naturland oder Bioland sehr zu empfehlen. Demeter stellt übrigens von allen Siegeln die höchsten Ansprüche an die Bio-Landwirtschaft. Dennoch gilt auch hier die Regel der EG-Öko-Verordnung bei verarbeiteten Produkten, dass nur 95 % der Inhaltsstoffe Bio sein müssen.

Auf utopia gibt es weitere Details, nach welchen Vorgaben die einzelnen Siegel arbeiten:

Bio-Kosmetik

Naturkosmetik mit dem NATRUE-Siegel. Produkte, die dieses Siegel tragen, sind so natürlich wie möglich.

Hier gibt es wohl das größte Potenzial für cleveres Marketing. Viele Kosmetik-Firmen schreiben auf ihre Produkte „Bio“ und lassen die Verpackung möglichst „Grün“ und natürlich wirken – und schon denken gewissenhafte Kunden, sie kaufen ein nachhaltiges Naturkosmetik-Produkt. Dabei sind vielleicht nur Teile oder Mikroben der Inhaltsstoffe wirklich nachhaltig und biologisch.

Leider gibt es im Gegensatz zu Bio-Lebensmitteln für die Kennzeichnung von Naturkosmetik keine staatlichen Mindestrichtlinien, kein verbindliches Siegel und keine gesetzlichen Vorgaben.

Auf dem deutschen Markt existieren nur Siegel privatrechtlicher Organisationen. Mit ihnen können Hersteller ihre Produkte kennzeichnen, wenn sie die Standards zur Zertifizierung des jeweiligen Siegels erfüllen.

Siegel in der Kosmetikbranche

Die wichtigsten Naturkosmetik-Siegel
Die wichtigsten Naturkosmetik-Siegel

Wirklich „Bio“ sind in der Kosmetikbranche nur zertifizierte Bio-Kosmetikprodukte. Anteile an Bio-Inhaltsstoffen findest du in zertifizierter Naturkosmetik.

Naturkosmetik muss zu mindestens 50 Prozent aus pflanzlichen Inhaltsstoffen bestehen und mindestens fünf Prozent der gesamten Inhaltsstoffe müssen aus biologisch zertifiziertem Anbau kommen.
Bio-Kosmetik hingegen besteht sogar zu mindestens 95 Prozent aus pflanzlichen Inhaltsstoffen und mindestens zehn Prozent der gesamten Inhaltsstoffe müssen aus biologisch zertifiziertem Anbau stammen. Sowohl Naturkosmetik als auch Bio-Kosmetik erkennst du an den entsprechenden Siegeln.

Alle anderen Produkte sind durch cleveres Marketing und Greenwashing für den Kunden optisch nachhaltiger gemacht worden, oder enthalten nur sehr wenige biologische Inhaltsstoffe. „Bio“ auf der Verpackung heißt hier nicht, dass „Bio“ auch drin ist. Du musst also immer auf die entsprechenden Siegel achten.

Zu den wichtigsten Naturkosmetiksiegeln gehört das BDIH-Siegel, das NaTrue-Siegel und das Ecocert-Siegel. Zusätzlich kannst du auf die Vegan-Blume achten und auf demeter ausgezeichnete Produkte. Das schwierige dabei ist, dass einige Naturkosmetiksiegel auch Bio-Kosmetik auszeichnen. Es gibt hier noch keine klaren Unterscheidungen, weswegen es als Verbraucher schwierig ist, Bio- von Naturkosmetik zu unterscheiden. NaTrue zertifiziert zum Beispiel nach drei Stufen in „Naturkosmetik“, „Naturkosmetik mit Bioanteil“ und „Biokosmetik“ – je nachdem wie hoch der Anteil an natürlichen Inhaltsstoffen aus ökologischer Landwirtschaft ist.

Bio-Reinigungsprodukte

Nicht alle Bio-Reinigungsmittel sind auch zertifiziert. Trotzdem wird auf giftige Inhaltsstoffe verzichtet.

Auch im Bereich der Reinigungsmittel, Waschmittel, etc. gibt es bereits viele sogenannte „Bio-Reiniger“ oder „Bio-Waschmittel“. Grundsätzlich bestehen diese Reinigungsprodukte ebenfalls aus ökologischen und zusätzlich umweltfreundlichen Rohstoffen.

Bio-Reinigungsmittel verzichten auf chemische Tenside und enthalten weniger reizende oder allergene Inhaltsstoffe. Öko-Reinigungsmittel verzichten auf Phosphate, chemische Duftstoffe und Farbstoffe und setzen stattdessen auf pflanzliche Wirkstoffe auf ökologischer Basis und nachhaltigen Rohstoffen.

Biologische Reiniger oder Waschmittel beinhalten natürliche ätherische Öle. Sie enthalten außerdem Zuckertenside als Seifengrundlage. Diese Zuckertenside können ohne schlechtes Gewissen dem Abwasserkreislauf hinzugefügt werden, da sie dort von Mikroorganismen abgebaut werden können.

Achte auch hier auf entsprechende Umweltsiegel, damit du dir sicher sein kannst, dass auch wirklich Bio drinsteckt.

Siegel bei Reinigern und Waschmitteln

Ecocert Siegel

Ein staatliches Bio-Siegel für Bio-Reiniger gibt es nicht, allerdings wird hier häufig das ecocert-Siegel verwendet. Du findest dieses Siegel auch bei Naturkosmetik.

Dieses Siegel wird von der Ecocert-Group, einem Kontroll- und Zertifizierungsverband für ökologische Produkte aus Frankreich, vergeben.

Hier ein paar Richtlinien des ecocert-Siegels:

  • Es werden erneuerbare Ressourcen und Inhaltsstoffe aus ökologischem Anbau bevorzugt
  • Der Produktionsprozess und die Verarbeitung sollen die Umwelt möglichst wenig belasten
  • Inhaltsstoffe natürlichen Ursprungs werden in Bezug auf ihre Umweltauswirkung bewertet

Bio-Bekleidung

Zertifizierte Baumwolle mit Siegel und Etikett an rotem Pullover
Der Global Organic Textile Standard (GOTS) ist eines der bekanntesten und am weitesten verbreiteten Öko-Textil-Siegel.

Auch in der Textilbranche werden immer häufiger Produkte aus „Bio-Baumwolle“ angeboten. Und das nicht nur von Fair Fashion Unternehmen, sondern auch von konventionellen Billig-Fast-Fashion-Modeunternehmen. Der eine sieht das als positive Entwicklung hin zu mehr Nachhaltigkeit im Fast-Fashion-Bereich, der andere sieht es als Greenwashing und cleveres Marketing.

Egal wie du es vielleicht sehen magst – Bio-Baumwolle ist theoretisch super, und auch weitere nachhaltige Materialien in der Textilbranche können ökologisch sein. Denn pflanzliche Fasern müssen ja auch irgendwo angebaut werden. Für Bio-Baumwolle wird auf Pestizide verzichtet. Außerdem werden keine chemischen Stoffe zur Bleichung oder Färbung verwendet, und auf weitere giftige Chemikalien im Produktionsprozess verzichtet.

Aber Vorsicht: „Bio“ in der Textilindustrie bedeutet nicht, dass die Kleidung auch unter fairen Arbeitsbedingungen hergestellt wurde! Hierfür gibt es andere Siegel.

Siegel in der Textilbranche

Alle Textilsiegel im Überblick

Auch im Bereich der Textilbranche gibt es keine staatlich geregelten Siegel, sondern ausschließlich private Organisationen und Verbände, die nach strengen Richtlinien ihre Siegel vergeben. Die Regelungen umfassen, welche Chemikalien (nicht) eingesetzt werden dürfen, wie biologisch die Rohstoffe der Fasern sind und wie recyclingfähig das Material ist.

Die strengsten und unabhängigsten Siegel, welche auch von Greenpeace entsprechend mit drei Sternen ausgezeichnet wurden, sind GOTS, IVN Best und Made in Green von Oeko-Tex.

Danach kommen die Siegel von Bluesign, Cradle to Cradle, Der Blaue Engel und das staatlich anerkannte (nicht vom Staat erstellte) EU Ecolabel.

Zudem gibt es noch das Oeko-Tex Standard 100, welches vom Verbraucherschutz ins Leben gerufen wurde und die geringsten Auflagen an die Hersteller vorgibt.

Findest du auf sogenannten „conscious“ oder „Bio“-Textilien keines dieser Siegel, dann steckt auch hier nur Greenwashing dahinter, und kein echtes „Bio“.

Bio-Zierpflanzen

Was ist Bio? - Vom Samen bis zum Endprodukt
Kleine Tomatenpflanzen während der Aufzucht

Ab wann sind deine Zimmerpflanze oder die Blumen für deinen Garten Bio? Ist schon das Saatgut Bio? Oder wurde beim Aufwachsen der Pflanze auf entsprechende Vorgaben geachtet? Bio-Zierpflanzen dürfen sich nur „Bio“ nennen, wenn sie aus einer zertifizierten Bio-Gärtnerei stammen.

Diese Betriebe haben sich verpflichtet, nach den Vorgaben der EG-Öko-Verordnung, oder der noch enger gefassten Richtlinien der Anbauverbände zu produzieren. Bio-Zierpflanzen (Zimmerpflanzen, Stauden, Blumen für deinen Garten, etc.) sind frei von chemischen Pflanzenschutzmitteln, synthetischen Düngern, Herbiziden, Gentechnik, chemischen Hemmstoffen, umweltschonend produziert und transportiert und in Erde mit geringem Torf-Anteil gewachsen. Sowohl das EU-Bio-Siegel, als auch das Siegel von demeter, Naturland und Bioland zertifiziert Bio-Gärtnereien.

Es gibt leider noch nicht so viele Gärtnereien, die Bio-Pflanzen verkaufen, welche vom Saatgut, über den Trieb bis hin zur ausgewachsenen Pflanze alles „bio“ anbieten. Du kannst also entweder im Gartencenter deiner Wahl nach Bio-Produkten fragen, oder du kaufst spezielles Bio-Saatgut und züchtest deine Pflanzen bzw. dein Gemüse selbst.

Vielleicht hast du auch Glück, und du hast eine Bio-Gärtnerei in deiner Nähe. Dann unterstütze sie und kaufe dort deine Zierpflanzen, anstatt sie im nächstgelegenen Gartencenter oder Baumarkt zu kaufen.

Markensiegel

Wer schon mal bei Rewe, Edeka oder dm eingekauft hat, dem ist vermutlich aufgefallen, dass immer mehr Supermärkte und Drogerien eigene Bio-Produkte anbieten. Diese Produkte dürfen sich als „Bio“ bezeichnen, weil sie die EU-Ökokriterien erfüllen. Sie müssen also mindestens das EU-Bio-Siegel haben, und entsprechen damit auch den Mindestkriterien für ökologische Landwirtschaft.

Vor- und Nachteile von Bio-Produkten gegenüber konventionellen Produkten

Um zu verstehen, welche Vor- bzw. Nachteile Bio-Produkte haben, wollen wir zunächst auf das Pro und Contra von konventionellen Produkten eingehen.

Vorteile von Produkten aus konventioneller Landwirtschaft

  • günstiger
  • überall erhältlich
  • große Auswahl an Produkten

Nachteile von Produkten aus konventioneller Landwirtschaft

  • Einsatz von Giftstoffen, Hormonen, Medikamenten während der Produktion
  • Verantwortlich für das Insektensterben
  • Tiere leben in Massentierhaltung, mit wenig Platz, dafür viel Stress und Leid
  • Produkte sind häufig genmanipuliert (vor allem aus dem Ausland importierte Ware)
  • Verschmutzung der Böden durch Einbringung von Stickstoffen (Ausbringen von Gülle und Mist), wodurch die Nitratwerte im Grundwasser überschritten wurden. Deswegen wurde Deutschland sogar bereits von der EU verklagt.
  • Produkte sind weniger aromatisch und enthalten Rückstände der Giftstoffe aus der Produktion

Wie du siehst, hat die konventionelle Landwirtschaft vor allem Umweltnachteile, aber auch potenziell Nachteile für deine Gesundheit.

Lass uns nun die Vor- und Nachteile von Bio-Produkten ansehen.

Vorteile von Bio-Produkten und Bio-Landwirtschaft

  • Enthalten keine synthetischen Zusatzstoffe
  • Sind nicht genmanipuliert
  • Keine Behandlung oder Verarbeitung giftiger Chemikalien (Pestizide)
  • Keine nitrathaltigen Düngemittel
  • Sind aromatischer, da sich der natürliche Geschmack ohne den Einsatz von Giftstoffen viel besser entfalten kann
  • Besser für die Umwelt und besser für die Tiere (viel mehr Platz, artgerechtere Haltung, etc.)

Nachteile von Bio-Produkten und Bio-Landwirschaft

  • Bio-Produkte sind aufgrund schlechterer Erträge (ein Bioacker bringt 30-40% weniger Ertrag, kein Einsatz von Pestiziden, weniger Tiere pro m², etc.) und aufwendigen Prozessen deutlich teurer, als Produkte aus konventioneller Landwirtschaft
  • Bio-Produkte sind noch nicht überall erhältlich, bzw. nicht jedes Produkt ist in „bio“ erhältlich.
  • Da auf Pestizide und Konservierungsstoffe verzichtet wird, sind die Produkte nicht so lange haltbar, wie die aus konventioneller Landwirtschaft

Warum sind Bio-Produkte teurer als konventionelle Produkte?

Bio-Produkte sind häufig um ein vielfaches teurer als konventionelle Produkte. Das liegt daran, dass die strengen Richtlinien der Siegel hochwertige Materialien und durchdachte Prozesse voraussetzen. Chemikalien sind außerdem häufig günstiger als pflanzliche Mittel. Naturfasern erliegen strengeren Regelungen als Kunstfasern. Pestizide sorgen für höheren Ernteertrag. Hochwertiges Bio-Futter kostet mehr Geld, als schlechtes Massenfutter, usw.

Außerdem können konventionelle Erzeuger schneller und in höheren Mengen produzieren. Sie machen somit mehr Umsatz und können die Einzelprodukte günstiger anbieten.

Zusätzlich werden zertifizierte Unternehmen mit ihren Produkten immer wieder streng kontrolliert. Diese Kontrollen kosten Geld, so wie auch die Zertifizierung selbst.

Wer aber auf qualitativ hochwertige, giftstofffreie und umweltfreundliche Produkte setzen möchte, der sollte auch (berechtigte) höhere Kosten in Kauf nehmen.

Sind Bio-Produkte eventuell gesünder?

Ob Bio-Lebensmittel mehr Nährstoffe und dadurch gesundheitliche Vorteile haben, wurde bisher nicht zufriedenstellend erforscht.

Trotzdem sollte es eindeutig sein, dass Produkte der konventionellen Landwirtschaft, welche mit Pestiziden behandelt wurden, oder Fleisch aus konventioneller Massentierhaltung, welches voller Hormone und Medikamentenrückstände steckt, nicht unbedingt gut für deine Gesundheit sein kann.

Unser Fazit

Wir lieben Bio! Uns geht es bei Bio-Produkten nicht um gesundheitliche Vorteile, den Preis oder den Geschmack des Endprodukts, sondern um die Bereitschaft mit dem Kauf von Bio-Produkten eine andere Art von Landwirtschaft zu fördern, die besser für die Tiere, die Umwelt und somit auch für uns ist.

Es geht darum, einen nachhaltigen Kreislauf zu fördern, der unsere Natur nicht ausnutzt und ihr schadet, sondern ihr Nährstoffe zurückführt. Bio-Landwirtschaft soll sicherstellen, dass in 100 Jahren die Böden noch fruchtbar sind und das Wasser noch trinkbar ist – oder noch krasser formuliert: Unser Planet sollte in 100 Jahren auch noch bewohnbar sein. Für dieses Ziel sind wir bereit, ein paar Euro mehr für echte Bio-Produkte auszugeben.

Leider haben wir nicht zuletzt beim Schreiben dieses Artikel festgestellt, dass die Richtlinien für „Bio“ zum Teil sehr niedrig sind, und es fast unmöglich ist, bei den über 300 Bio-Siegeln den Überblick zu behalten, wer was vorgibt und was nicht.

Vor allem im Bereich der Naturkosmetik waren wir überrascht, dass die Vorgaben für natürliche Inhaltsstoffe so gering sind (bei nur 50%!). Wir sind bisher davon ausgegangen, dass Naturkosmetik wirklich ein reines Naturprodukt ist. Leider sind wir jetzt schlauer und überlegen uns, besser auf Bio-Kosmetik umzusteigen oder eigene Pflege herzustellen.

So machen wir das bereits seit Monaten mit unseren Reinigungsmitteln. Mehr dazu kannst du auf unserem Instagram-Account lernen.

Da wir vegan leben und somit keine tierischen Produkte essen, kaufen wir hier weder konventionell noch „bio“. Aber nicht zuletzt aufgrund der besseren Haltungsbedingungen können wir dich, falls du nicht komplett vegan leben möchtest, nur darum bitten, dass du weniger Fleisch und tierische Produkte zu dir nimmst, und dann auf jeden Fall auf Produkte aus ökologischer Landwirtschaft achtest. Am besten kaufst du hier demeter-Produkte, da hier die Vorgaben für die artgerechte Tierhaltung am höchsten sind.

Übrigens kannst du auf dem Wochenmarkt häufig Lebensmittel in Bio-Qualität kaufen, die sich zwar nicht so nennen dürfen, der Erzeuger aber dennoch auf eine ökologische Landwirtschaft achtet. Frage einfach bei den Mitarbeitern der Marktstände nach, sie wissen immer gut Bescheid.

Das Thema „Bio“ ist super umfassend! Die Basis für dein Verständnis haben wir aber hiermit gelegt. In den nächsten Wochen folgen noch weitere interessante Artikel zu diesem Thema, in denen wir im Detail auf weitere Aspekte eingehen werden.

Ich hoffe, dass wir dir mit diesem Beitrag ein bisschen Klarheit bringen konnten, was „bio“ genau bedeutet, welche Vor- und Nachteile Bio-Produkte mit sich bringen, und welche die relevantesten Zertifizierungen sind.

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Was ist eigentlich Bio? Wir erklären dir, worauf du achten musst.

Quellen:

https://www.kindersache.de/bereiche/wissen/natur-und-mensch/was-bedeutet-bio

https://www.bioland.de/fileadmin/dateien/HP_Dokumente/Allgemeine_Informationen/2013_03_21_BIO-Info_Milch.pdf

https://www.biomazing.ch/2012/glossar-was-heisst-bio/

https://www.bund.net/massentierhaltung/haltungskennzeichnung/bio-siegel/

Podcast: „Bio-Produkte für alle?“ – Das Thema 16.01.2019

Caro
Caro
Hej Du. schön, dass du hier bist! Ich bin Caro, 30 Jahre jung, aus Karlsruhe. Ich habe eine Leidenschaft für Nachhaltigkeit, Umweltschutz, vegane Ernährung, Tiere und Pflanzen. Ich stecke hinter den Beiträgen auf fairlis.de und möchte dir gerne helfen, viel Wissen, Tipps und Inspirationen rund um das Thema Nachhaltigkeit zu sammeln.

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